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Interview mit Fabian Wesner, CTO von Spryker

Alexander: Hallo! Schönen guten Tag. Alexander Babing mein Name von Inviqa. Ich leite hier das Berliner Büro und ich bin hier bei den code.talks commerce special. Und für die, die nicht dabei sein konnten, kommt hier das Interview mit Fabian Wesner von Spryker, der hier ja auch schon wieder von sich hat hören lassen.

Fabian, stellst du dich ganz kurz vor?

Fabian: Allerdings. Mein Name ist Fabian Wesner, ich bin der Co-Gründer und CTO von Spryker.

Alexander: Du hast gestern bei dem Vortrag viel über die Modularisierung gesprochen, warum sie so wichtig ist und warum Spyker da viel Wert darauf legt. Kannst du das vielleicht noch mal kurz erklären, warum es dir so viel bedeutet?

Fabian: Also E-Commerce ist eigentlich erst mal eine sehr komplexe Angelegenheit. So ein Shop System hat relativ viele verschiedene Domänen mit Relationen und eine komplexe Geschäftslogik. Und bekanntermaßen ist der einfachste Weg, um große Komplexität handhabbar zu machen, sie zu zerlegen, das Prinzip heißt “teile und herrsche”. Also ein System möglichst klein zu zerlegen und die Relation klar abzubilden, so dass die Entwickler sich dann konzentrieren können auf einzelne Module, dass die Abhängigkeiten klar sind und man so im Prinzip größere Projekte umsetzen kann, ohne immer das ganzheitliche Bild vor Augen zu haben und ohne Angst haben zu müssen vor irgendwelchen Nebeneffekten. Wenn man etwas am Checkout ändert, dass dann natürlich nichts am CMS kaputt geht und so weiter. Deshalb glaube ich, eine konsequente Modularisierung ist ein sehr vielversprechendes Vorgehen und wir geben mit Spryker hier eine Grundarchitektur vor, die dann hoffentlich auch in Projekten so gelebt wird, so dass die Projekte über die Laufzeit, auch über die Jahre hinweg eine ordentliche Struktur erhalten und die Produktivität auch nach fünf Jahren und 50 Entwicklern nicht in den Keller geht.

Alexander: Bei kleinteilig muss ich natürlich an Microservices denken. Alle reden über Microservices und man hat das Gefühl, dass manche auch Erwartungen hegen, dass das irgendwie die Lösung für alle Probleme in der Entwicklung überhaupt ist. Du hast gestern gesagt, du glaubst bei E-Commerce-Projekten ist es vielleicht müssen überbewertet als Ansatz. Kannst du noch mal kurz sagen warum?

Fabian: Also erst mal grundsätzlich zu Microservices: man muss das erst mal mit ein bisschen Abstand zu dem wort haben. Das ist ein Hype genau so ein Hype wie das AJAX war oder NoSQL oder SOAR. Da steckt auch viel Geld dahinter, da wird viel Consulting verkauft und es gibt auch Hoffnung. IT ist komplex und jetzt gibt es dieses eine Wort, das die ultimative Heilung und Lösung verspricht. Aber es ist aus einer Softwarearchitektur-Sicht einfach Blödsinn.

Also: Microservice ist nicht gut oder schlecht, sondern Microservices ist ein Vorgehensmodell, das in bestimmten Kontexten sinnvoll ist. Zum Beispiel, wenn die Applikation und die Teams gigantisch groß sind, also Amazon, Google, und man nicht einfach mal an einer Applikation arbeiten kann oder aber, wenn das System von sich aus natürlich gut zerlegbar ist. Zum Beispiel eine Plattform für Online-Spiele. Da ist es logisch, dass man für jedes Spiel einen eigenen Service baut und man dann einen gemeinsamen Service hat für das Payment, für die Speicherung der Bestellungen, für das Subscription-Modell. Also in so einem Kontext macht Microservice auch durchaus Sinn, auch mit kleineren Teams. Allerdings im E-Commerce sind Dinge miteinander verbunden: man muss sich die Datenbank nur einmal anschauen, da gibt es Relationen. Bestellungen haben Bestelleinheiten, Kunden haben Adressen, Kategorien haben Kategorie-Elemente und so weiter. Und alles ist miteinander verbunden über Relationen.

Und wenn man jetzt anfängt, so ein System in Services zu zerlegen, also in kleinere Applikationen mit eigenen Datenhaltungen, dann fängt man an gegen Windmühlen zu kämpfen. Also etwas, was an sich gut und stabil gelöst war, wird künstlich aufgetrennt man versucht sozusagen natürliche Abhängigkeiten technisch mühsam zu entkoppeln und verliert allerdings dadurch relativ viel gegebene Vorteile.

Und darum glaube ich, die Modularisierung, also das Zerlegen in kleinere Teile, allerdings ohne das in Applikationen aufzutrennen, also ohne den Overhead zu haben von Netzwerke, von Latenz von zusätzlichen Ausfällen.

Also: in einer modularen Applikation bekomme ich sämtliche Vorteile von Microservices, oder zumindest die meisten, habe allerdings den Overhead nicht, habe die extra Aufwände nicht, und das ist glaube ich für 99 Prozent aller Händler das richtige Vorgehen.

Also Microservice wie gesagt ist toll, wenn man riesengroße Teams hat, also hunderte von Entwicklern, dann macht das Sinn. Aber das trifft auf die meisten Händler die ich kenn nicht zu. Selbst mit hundert Millionen Umsatz reichen in der Regel Teams von zehn Entwicklern aus. Wenn man nicht gerade die Ambitionen eines Amazon hat.

Alexander: Noch ein anderes Thema, welches auch relativ viel Aufmerksamkeit momentan kriegt, ist ja die Verbindung von E-Commerce und Content-Elementen. Man kann das jetzt Content Commerce nennen. Und da ist aus meiner Sicht natürlich die Frage: Was ist da deine Erfahrung, was sind deine Learnings, was die Kombination von Spryker mit anderen Systemen angeht. Kannst du da noch mal einen kleinen Einblick geben?

Fabian: Gerne. Also ich hab da zwei Sichten darauf: erstmal technologisch ist das ja nicht spannend. Also ein CMS und ein Shop System miteinander zu verbinden, das ist ja gar kein Problem.

Alle Shop-Systeme haben ja ein CMS eingebaut, in der Regel sind das leichtgewichtige CMS und die reichen völlig aus, um den Content an verschiedenen Stellen im Shopsystem zu injizieren.

Wer jetzt noch einen großen Magazinteil daneben bauen möchte, macht das sowieso mit einem richtigen CMS. Technologisch ist das nicht weiter anspruchsvoll. Kein Thema, wo es sich jetzt lohnen würde, darüber großartig zu recherchieren.

Businessseitig glaube ich, ist das Thema CMS und E-Commerce Schnee von gestern. Weil der Fokus wird weggehen vom reinen Online-Shop hin zu Interaktion mit den Kunden, aber dann reden wir nicht über CMS, dann reden wir im einfachsten Fall über den Dash-Button von Amazon, vielleicht über ein Bestellen über Alexa, vielleicht über Blockchain oder einfach bestellen per Bots. Ich glaube, das sind die Themen, die in den nächsten Jahren relevant sein werden. Wer sich jetzt als Händler mit dem Thema CMS beschäftigt, der wird wohl überholt werden.

Alexander: Eine ganz ganz schöne Überleitung zu Zukunftsthemen. Lass uns doch mal teilhaben: was steht so bei euch an, was habt ihr für Pläne für die nächsten Monate und Jahre?

Fabian: Wir reden ja ständig mit unseren Kunden und wir beraten auch. Wir versuchen jetzt die Trends für 2018, 2019, 2020 herauszukristallisieren. Und genau dort werden wir technologisch investieren, damit wir unseren Kunden, wenn sie dort angekommen sind, entsprechende Apps zum Beispiel zur Verfügung zu stellen, um ihnen einen technologischen Vorsprung zu verschaffen.

Für mich als Software-Architekt gibt es natürlich noch die andere Seite, nämlich das Produkt an sich, das Framework an sich. Auch hier wollen wir noch weiter investieren, weiter ausbauen. Ich glaube so in unseren Grundwerten, also solid und Clean Code sind wir auf einem sehr hohem Niveau, da kann man nicht mehr da kann man nicht mehr so viel rausholen glaube ich.

Aber es gibt zum Beispiel auch Themen, wie die weitere Zerlegung und Modularisierung. Diese Microservice-Welt, ist eigentlich für große Konzerne interessant, aber genau die wollen wir auch als Kunden haben.

Wir haben zum Beispiel mit mehreren Automobilherstellern gesprochen und die brauchen keinen Online-Shop, die brauchen eher eine E-Commerce-Komponentensammlung, die sie weltweit ihren verschiedenen Business Departments zur Verfügung stellen können, lokalisiert, und dafür muss die Applikation natürlich zerlegt werden und genau das werden wir auch ermöglichen, so dass man z. B. einen Sales-Service unabhängig laufen lassen kann von einem Katalog-Service als Komponenten.

Alexander: Super, vielen Dank für die interessante Antwort! Vielen Dank Fabian, dass du dir die Zeit genommen hast und dir viel Glück und Erfolg mit Spryker.

 

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