Eine Karriere in der Softwareentwicklung: Alexandra von Inviqa

By Alexandra Julius
Alexanda Julius, Software Developer at Inviqa

Wir haben uns mit Alexandra Julius unterhalten. Sie ist Senior Software Engineer bei Inviqa. Sie ist eine der wenigen Frau im Entwickler-Team bei Inviqa. Alex hat uns erzählt, warum sie sich für eine Karriere im Development entschieden hat. Und warum es Ihrer Meinung nach noch zu wenige Frauen in diesem Berufsfeld gibt. Sie hat eine klare Botschaft an junge Mädchen!

Herzlich Glückwunsch! Du hast mit einigen Kollegen von Inviqa erfolgreich die Prüfung zur zertifizierten Spryker Entwicklerin abgelegt. 

Ich habe zwei Tage lang nervös viele Seiten Dokumentation gelesen. Das Schöne ist, ich arbeite schon seit fast 3 Jahren mit Spryker und bin beim Programmieren mit dem System sicher. Aber das ist ein Test, der alle Spryker Gebiete abdeckt und ich arbeite nicht jeden Tag auf all diesen Gebieten. Darum muss man sich gut vorbereiten.  

Wirst Du Zertifizierungen auch für andere Systeme ablegen?

Ich darf bei Inviqa für jedes System meiner Wahl Zertifikate ablegen. Sylius würde mich zum Beispiel interessieren. Aber so eine Prüfung ist immer mit viel Arbeit verbunden. Es steht mir frei, diesen Aufwand auch für andere Themen meiner Wahl zu verwenden. Zum Beispiel mache ich gern Katas in Python oder überlege mir einen interessanten Tech-Talk, den ich in unserer Engineering-Community of Practice halten kann.

Was ist das für eine Community? Erzähl uns mehr davon!

Das ist eine der coolsten Sachen bei Inviqa! Da kommen wir Entwickler zusammen und zeigen zum Beispiel, was wir auf Projekten gelernt haben. Oder wir stellen Themen vor, die uns generell interessieren. Am meisten mag ich die Live Coding Sessions. Wir haben auch eine Wiki-Seite, auf der wir das Wissen sammeln.

Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, die jemand im Development braucht?

Neugierde, Geduld und Spieltrieb sind wichtige Eigenschaften. Eigentlich bin ich kein besonders geduldiger Mensch, aber ich bleibe an einer Sache dran. Es kann in der Software-Entwicklung passieren, dass man längere Zeit versucht, ein Problem zu lösen. Man muss aushalten, dass potenzielle Lösungswege in Sackgassen enden können. Im Team geht aber alles leichter. Zwei Paar Augen sehen mehr als eins. Wenn etwas gar nicht klappen will, hilft auch einmal um den Block laufen. Und letztendlich hat sich noch immer alles in Wohlgefallen aufgelöst. Neugierde und Spieltrieb sind von Vorteil, weil man immer wieder Neues ausprobiert und lernt.

Neugierde, Geduld und Spieltrieb sind wichtige Eigenschaften im Development.

Alexandra Julius

Wie bist Du zur Software-Entwicklung gekommen?

Ursprünglich habe ich Amerikanistik/Anglistik und Vergleichende Literaturwissenschaften studiert. Mich hat an diesen Fächern irgendwann gestört, mit welcher Ungenauigkeit die Themen behandelt wurden. Es gab nie eine richtige Antwort, immer nur Bereiche, in denen richtige Antworten liegen können. Das einzige Teilgebiet der Geisteswissenschaften, in dem dies nicht der Fall ist, ist die Linguistik. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich mit Gedichtanalyse schwieriger einen Job finde, als mit einem naturwissenschaftlichen Hintergrund. Darum wollte ich auf ein naturwissenschaftliches Fach wechseln. Da lag die Informatik nah: Hier werden die Erkenntnisse der Linguistik praktisch angewandt. Mit Syntax und Semantik kommt man schon beim Erlernen einer Programmiersprache in Kontakt, mit Grammatiken im Compilerbau. Und dann habe ich gelernt, dass es in der Informatik noch viele weitere spannende Themen gibt - und bin dran geblieben. Für mich lag es nahe, in die Software-Entwicklung zu gehen.

Alexandra Julius
Alexandra Julius ist Senior Software Engineer bei Inviqa.

Was begeistert Dich an Deinem Beruf am meisten?

Die Themen, die ich bearbeite, sind interessant und erfüllen mich. Ich fühle mich gut, wenn ich ein Feature gebaut habe, das mit Clean Code, automatisierten Tests und ADR (Architecture Decision Record und Dokumentation) kommt. In vielen Fällen lerne ich neues dazu. Ich werde also von meinem Arbeitgeber dafür bezahlt, mein Gehirn zu benutzen und klüger zu werden. Das ist ein großer Luxus.  Außerdem sind die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, in der Regel sehr klug, sehr hilfsbereit und sehr nett.

Was war eine wichtige “Lesson Learned” aus einem Deiner letzten Projekte?

Probleme offen ansprechen trägt deutlich zur Verbesserung eines Projektes bei und hilft allen im Team. So zu tun, als sei alles perfekt, obwohl es Probleme gibt, hilft niemanden. Man braucht Mut, um Probleme offen anzusprechen. Man muss sich seiner Fähigkeiten sicher sein.

Warum glaubst Du, gibt es immer noch so wenige Frauen in der Software-Entwicklung?

Die Prägung und Entwicklung eines Menschen beginnt in der Kindheit und wird stark von der Familie beeinflusst. Ich habe den Eindruck, dass Eltern in einigen Kulturen eher bei ihren Söhnen Wert darauf legen, dass sie in der Schule keine Probleme mit Mathe haben, als bei ihren Töchtern. Warum das so ist, weiß ich nicht. Es kann etwas mit tradierten Rollenvorstellungen zu tun haben. Aber daraus folgt, dass sich Mädchen seltener trauen, technische Berufe zu ergreifen.

Die Prägung und Entwicklung eines Menschen beginnt in der Kindheit und wird stark von der Familie beeinflusst. Ich habe den Eindruck, dass Eltern in einigen Kulturen eher bei ihren Söhnen Wert darauf legen, dass sie in der Schule keine Probleme mit Mathe haben, als bei ihren Töchtern.

Alexandra Julius

Wie war es bei Dir?

Meinem Vater war es wichtig, dass ich vor Mathe keine Angst habe. Das war die eigentliche Motivation. Als ich in der 4. Klasse war, merkte er, dass sich bei mir eine Angst entwickeln könnte. Also hat er sich mit mir hingesetzt und mir lineare Algebra beigebracht. Er hat einen Zettel genommen und darauf geschrieben: x=1. Und ich habe geweint, weil das für mich keine Sinn ergab. Ein Buchstabe kann keine Zahl sein. Aber mein Vater hat nicht aufgegeben, bis ich akzeptiert habe, dass x eben doch 1 sein kann. Er hat damit bei mir den Grundstein für formales Denken gelegt. Wir haben ca. ein halbes Jahr lang Gleichungssystem trainiert. Danach hatte ich keine Probleme mehr mit Mathe. Daher war für mich die Hürde, Informatik zu studieren, niedriger.

Was ist Deine Botschaft an junge Mädchen, die unsicher sind, ob Naturwissenschaften etwas für sie sind?

Logisches Denken und das Verständnis für Mathematik entwickeln sich in einem Areal im Gehirn, das jeder Mensch trainieren kann. Es hat weniger mit Talent, als mit Übung zu tun, gut in Mathe oder im Programmieren zu sein. Probiert es aus und bleibt dran, es lohnt sich.

Du bist bereits seit einigen Jahren bei Inviqa. Mit welchem der Unternehmenswerte von Inviqa identifizierst Du Dich am meisten? Und warum?

“Together” ist ein sehr wichtiger Wert für mich. Ich habe es vorhin schon angesprochen, dass gerade wir Programmierer viel im Team zusammen lösen. Es ist oft leichter, eine Sache zusammen voranzubringen, als allein zu kämpfen. “Purpose” betrifft stark unseren Arbeitsalltag, weil Meetings, Ticket-Beschreibungen oder Kommunikation im Slack zielführend sein und einen Zweck erfüllen sollten. Ein Meeting ohne Agenda hilft niemandem weiter. Bei Inviqa gibt es eine sehr starke Lernkultur, deswegen möchte ich noch “Learning” nennen. Ich habe in keiner anderen Firma so viel Unterstützung und Förderung erfahren, wenn ich etwas Neues lernen wollte. Denn je mehr man weiß, desto mehr weiß man, was man nicht weiß.

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